Trainer Michael Skibbe baute seine vor Wochenfrist im Pokal erfolgreiche Elf (4:0 in Wilhelmshaven) etwas überraschend auf einer Position um: Neuzugang Theofanis Gekas stürmte von Beginn an und bildete mit Ioannis Amanatidis den griechischen Angriff, Halil Altintop musste sich zunächst mit einem Platz auf der Ersatzbank begnügen. Nach anfänglichen Unzulänglichkeiten und Ballverlusten auf beiden Seiten war es die Eintracht, die in der Spätsommerhitze nach gut zehn Minuten Fahrt aufnahm und die Initiative über das Spielgeschehen ergriff. Dabei hatte der emsige Amanatidis nach feiner Tzavellas-Flanke die erste dicke Torgelegenheit, köpfte die Kugel aber knapp am Gehäuse von 96-Keeper Fromlowitz vorbei (11.) Gerade über den im ersten Spielabschnitt nicht zu haltenden Kapitän Patrick Ochs auf der rechten Seite machten die Adlerträger gehörig Dampf und zeigten sich auch über die kreative Schaltzentrale um Pirmin Schwegler und Alexander Meier schon kombinationssicher und dominant. Umso überraschender fiel die Führung für Hannover 96 nach 21 Spielminuten: Russ und Jung bekamen auf der rechten Abwehrseite den Ball nicht weg, Ya Konan brachte Rausch nach einem Doppelpass an der Strafraumgrenze in beste Schussposition, von wo der linke Mittelfeldmann eiskalt und unhaltbar für Oka Nikolov unten links ins Eck einschoss. Doch die Skibbe-Schützlinge zeigten sich in der unmittelbaren Folge wenig beeindruckt und hörten da auf, wo sie vor dem überraschenden Gegentreffer aufgehört hatte. Konzentriert und passsicher trug man Spielzug um Spielzug gekonnt vor und kam schnell zum verdienten Ausgleich: Nach schöner Ballstafette gelangte die Kugel zu Patrick Ochs, der Rausch narrte und den Ball in die Mitte „chippte“. Dort hatte sich Benjamin Köhler wie bereits so oft in der vergangenen Saison in eine aussichtsreiche Position gebracht und vollendete völlig freistehend ansehnlich mit links aus etwa acht Metern unter die Latte (27.). Die Eintracht blieb nach dem 1:1 zwar die aktivere Mannschaft mit der reiferen Spielanlage, versäumte es dann jedoch, auf dem zweifellos höheren Aufwand Kapital zu schlagen und kam nicht mehr zu nennenswerten Torraumszenen. Auf der anderen Seite konnte man sich gar bei Torwart Nikolov bedanken, der allein vor Christian Schulz glänzend reagierte und seine Stärke im Eins gegen Eins ausspielte und seine Mannschaft vor einem weiteren Rückstand bewahrte (38.). Auch zu Beginn der zweiten Halbzeit waren die Adlerträger das spielbestimmende Team, welches nach 55 Minuten einen Handelfmeter hätte zugesprochen bekommen müssen: Nach einer hohen Flanke köpfte Gekas Ya Konan zwar an dessen Armen an, wo diese jedoch befindlich waren, hatte mit der viel zitierten „natürlichen Handbewegung“ nichts zu tun. Schiedsrichter Deniz Aytekin, der bereits im ersten Durchgang mit seinen Assistenten zwei falsche Abseitsentscheidungen gegen die Eintracht traf (Ochs und Gekas wären jeweils in sehr aussichtsreicher Position direkt vor dem Tor gewesen), verweigerte den fälligen Strafstoßpfiff. Während die Gäste nach etwas über einer gespielten Stunde dem hohen läuferischen Aufwand der ersten Hälfte langsam aber sicher Tribut zollen mussten, begann Hannover nach zunehmenden Fehlern der Eintracht, schnell zu kontern. Insbesondere über die offensiv gut funktionierende linke Seite um den starken Ya Konan kam man nun öfter gefährlich vor das Tor. So hatte die Eintracht Glück, als eben jender Ya Konan, nach dem er Russ und Franz stehen ließ, aus 13 Metern nur die Latte traf (68.). Das Offensivspiel der Eintracht lahmte nun erheblich und die nicht immer sattelfest wirkende Hintermannschaft, wo Chris immer noch fehlte, bekam größere Probleme gegen stärker werdende Hausherren. Und als man auf der linken Abwehrseite Pinto mehrfach nicht am flanken hindern konnte, war das Unglück vorprogrammiert: In der Mitte waren Franz und Russ zu weit weg von ihren Gegenspielern, Nikolov konnte im Fünfmeterraum gegen Ya Konan nicht mehr rechtzeitig eingreifen und der Ivorer nickte zum 2:1 ein (76.). In der Schlussviertelstunde probierten die Hessen noch mal alles, ohne spielerisch an die Leistung der ersten Halbzeit heranzukommen und ließen Hannover mehr Raum zum kontern, den diesen, auch dank weiterer Paraden von Oka Nikolov nicht zu nutzen wussten. In der Schlussminute hätte dann letztlich der hoch verdiente Ausgleich fallen müssen, doch das Glück war den Adlerträgern an diesem Spätsommertag einfach nicht hold; und so scheiterte erst Russ mit einem feinen Kopfball am Pfosten und kurz darauf Amanatidis am Bein von Haggui auf der Linie. Insgesamt verlor die Eintracht zum Saisonauftakt höchst unglücklich und auch unverdient, doch sehr ordentliche bis gute 60-65 Minuten reichten gegen am Ende abgezocktere Niedersachen nicht, um zumindest einen Punkt mit nach hause zu nehmen. Die über weite Strecken überzeugende spielerische Leistung des Mittelfelds kann jedoch Mut machen für die kommenden Wochen, allen voran für das erste Heimspiel kommende Woche gegen den Hamburger SV, bei dem man direkt auf Wiedergutmachung aus sein wird. |